Was ist eine Unconference?

Wer kennt die folgende Geschichte nicht: Du warst auf einer Konferenz, hast ein paar spannende Vorträge gehört und auch ein paar weniger gute. Das Highlight der Veranstaltung waren aber die Gespräche zwischen den Programmpunkten. Zum Beispiel mit neu geschlossenen Bekanntschaften, mit denen du dich während der Kaffeepause unterhalten hast. Zurück blieb der nachhaltige Eindruck, dass die Podien zwar gut besetzt waren, aber die Teilnehmerschaft ein ebenso interessantes Wissen und Erfahrung mitbrachten, das ungenutzt blieb, weil die Kaffeepausen dann doch zu knapp bemessen waren…

Der Gedanke hinter einer Unconference ist die Potentiale der Teilnehmerschaft zu nutzen. Egal welches Unconference-Format gewählt wird: Es gilt, dass potentiell jeder Teilnehmer etwas interessantes zur Veranstaltung beitragen kann. Das zentrale Grundprinzip jeglicher Unconference ist deshalb der Leitsatz „jede/r ist Mitmacher/in“. Eine Unterscheidung zwischen (geladenen) Referenten und Gästen der Veranstalter und normalen Teilnehmern wird deshalb nicht gemacht.

Zur Erklärung: Bei Unconferences ist die Kaffeepause Prinzip. Bezüglich des Formats, führt diese Analogie allerdings nicht viel weiter. Denn die interessanten Gespräche, die während der Kaffeepause auf einer Konferenz dem Zufall überlassen werden, sollen auf einer Unconference systematisch gefördert werden!

Aus diesem Grund hat jede Unconference eine moderierte Eingangsphase bei der die Themen festgelegt werden. Die Themenvorschläge kommen aus der Teilnehmerschaft. Die zentrale Bedingung für die Vorschläge ist der thematische Bezug zum Thema der Unconference. Innerhalb dieses Rahmen ist alles erlaubt. Auch die Gestaltung der Themen ist frei. Die Teilnehmer können z.B. anbieten einen Vortrag mit anschließender Diskussion zu halten, eine Fishbowl zum Thema zu moderieren oder einen Workshop dazu abzuhalten. In der Regel,  sollen die Themen diskursiv behandelt werden und deshalb im Falle von Vorträgen diese möglichst kurz bemessen sind, um möglichst viel Raum für Diskussionen zu schaffen.

Da es für jedes Thema auch einen Raum und eine Zeit geben muss, bereitet der Veranstalter einen Zeitplan vor, der in der Regel als „Session-Plan“ oder manchmal auch – wie im englischsprachigen Ausland oder auf internationalen Veranstaltungen – als „Grid“ bezeichnet wird. Dieser Session-Plan sieht aus wie ein leerer Stundenplan. Jedes leere Feld auf dem Stundenplan bezeichnet man als „Slot“, der mit einer „Session“ zu füllen ist.

Dies passiert in der Eingangsphase. Mit Hilfe eines Moderators, der mit Großgruppenmoderation vertraut ist, werden die Vorschläge von den Teilnehmern bewertet. Je nach Interesse wird der Sessionplan dann mit den Themenvorschlägen gefüllt. Der Moderator hilft dabei, dass Sessions mit dem größten Interesse, die größten Räume bekommen und ähnliche Vorschläge, wenn möglich und gewünscht, zusammengelegt werden; so das alles gut auf geht.

 

 

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