Alles eine Frage der Methode

Der Erfolg einer Session hängt nicht nur vom Thema ab, das gesetzt wird – auch auf die Methode, mit der man sich der Thematik bzw. Fragestellung nähert,
ist entscheidend, dass es
ein wirklich interaktiver Workshop ganz im Sinne einer Unconference wird.

Aus diesem Grund haben wir [Danke an Inga & Felix] für Euch einige Methoden und Instrumente und Video-Beispiele zusammengestellt, die bei der Vorbereitung der Session Hilfestellung geben können.

  • Du willst, dass deine Session spannend ist?
  • Dass die Teilnehmenden Spaß haben?
  • Dass viele Meinungen geäußert werden?

Dann sind folgende Tipps vielleicht etwas für dich und deine Session. Viele kennst du bestimmt schon. Aber mit Sicherheit findest du hier die ein oder andere Anregung.

Allgemein:

  • Keine Klassenraumatmosphäre. Wir sind sicher, dass du darauf achtest, dass sich die Teilnehmenden anschauen können. Eine Hörsaal- oder Klassenraumatmosphäre will bestimmt niemand. In der Hertie School sind Stuhl- und Sitzkreise sowie Kleingruppen- und Konferenztisch-Settings möglich.
  • Mobile Materialien. Die Raumvergabe erfolgt während der Konferenz. Da wir noch nicht wissen, wie viele Menschen zu deiner Session kommen, können wir erst kurzfristig festlegen, in welchem Raum deine Session stattfindet. Das bedeutet: Du kannst gerne Materialien (z.B. Flipcharts) vorbereiten, diese sollten aber mobil sein.
  • Gedanken sichtbar machen. Viel reden, viel zuhören. Das kann müde machen. Sprich andere Sinne an und visualisiere die Diskussion in deiner Session. Oder bitte die Teilnehmenden, dies zu tun. Möglichkeiten gibt es viele: Flipcharts, Papiertischdecken, Moderationskarten, Beamer…
  • Talkshow-Atmosphäre vermeiden: Wenn du merkst, dass die Diskussion hitzig wird oder sich Teilnehmende unterbrechen: Nutze einen “Talking Stick”, zum Beispiel einen Stift. Nur die Person, die gerade den Gegenstand hat, darf dann reden.

Kennenlernen & Einstieg:

In deiner Session hast du nicht viel Zeit für lange Kennenlernrunden. Aber vielleicht sind folgende Methoden ja etwas für dich. Das Beste: Sie eignen sich sowohl zum Kennenlernen als auch als spielerischer Einstieg in das Thema der Session.

  • “Alle, die…”: Eine Person steht in der Mitte eines Stuhlkreises. Alle anderen sitzen. Es gibt keinen freien Stuhl. Die Person in der Mitte ruft alle, auf die eine bestimmte Aussage zutrifft (z.B. “Alle die, die Mitglied der JEF sind”), zum Aufstehen auf. In kurzer Zeit müssen diese Personen nun einen frei gewordenen Sitzplatz finden. Diejenige Person, die keinen Sitzplatz findet, ist nun an der Reihe. Dieses Spiel ermöglicht sowohl ein Kennenlernen als auch die Abfrage von Meinungen zur Diskussion (z.B. “Alle die, die finden, dass die Europäische Kommission zu groß ist”).
  • Speed Dating. Der Moderator gibt eine Reihe von Fragen vor. Die Teilnehmenden werden gebeten, sich Antworten auf diese Fragen zu überlegen. Die Moderation gibt eine Zeit vor (nicht zu lange) und ruft die Teilnehmenden auf, in Paaren ihre Antworten zu nennen und ggf. darüber zu diskutieren. Nach ein paar Minuten findet ein Wechsel der Paare statt. Auch hier können einige Fragen persönlich sein, andere inhaltlich und so einen Einstieg ins Thema darstellen.
  • Landkarte. Die Moderation bittet die Teilnehmenden, sich vorzustellen, dass der Fußboden eine Landkarte eine Skala ist. Anschließenend bittet er oder sie, sich zum Beispiel an seinen imaginären Lieblingsort in Europa zu stellen (alternativ: letzter Urlaubsort, Anreiseort etc.) oder sich auf einer Skala zu verorten (z.B. auf dem einen Extrem/Pol “Ich bin für den Euro” und auf dem anderen “Der Euro soll abgeschafft werden”).
  • Klassisch: Eine Vorstellungsrunde. Ergänzt die Vorstellungsrunden um Fragen zum Thema. Wichtig: Die Fragen sollten in einer kurzen Zeit beantwortbar sein. Zum Beispiel: “Welches Wort verbindest du mit dem Session-Thema?”

Methoden für die Diskussion:

  • Fishbowl. Es gibt einen Innen- und einen Außenkreis. Diejenigen im kleineren inneren Kreis diskutieren. Alle anderen hören zu und beobachten die Diskussion. Aber: Die Teilnehmenden wechseln von dem Außen- in den Innenkreis (und umgekehrt). Die Erfahrung zeigt, dass die Diskussionen dadurch fokussierter werden. Allerdings gibt es auch ein Risiko: Die Hürde, in den Innenkreis zu wechseln ist für einige relativ hoch. Hier und hier gibt es weitere Informationen. Und hier findet ihr ein Beispiel-Video.
  • World Café. Es gibt mehrere Tische. Auf jedem Tisch liegen ein Flipchart-Papier sowie mehrere Stifte. In verschiedenen Phasen, die mindestens 15 Minuten dauern sollten, wird eine bestimmte Frage oder ein bestimmtes Thema diskutiert. Die Teilnehmenden dokumentieren dabei die Diskussion auf dem Flipchart. Nach der vorgegebenen Zeit wechseln die Teilnehmenden, die Tisch-Moderatoren bleiben. Diese weihen die neuen Teilnehmenden kurz auf vorherige Diskussion an ihrem Tisch ein und diskutieren dann mit ihnen. Diese Methode ermöglicht es, in kleinen Gruppen mit sehr vielen Menschen zu diskutieren. Hier mehr Infos zum World Café.
  • Pro- und Contra-Rede. Simpel, aber oft gut: Um etwas Pep in die Diskussion zu bringen, werden die Teilnehmenden zwei Gruppen zugewiesen (z.B. durch Durchzählen). Anschließend soll die eine vor allem Pro-Argumente zu einem Standpunkt entwickeln, die andere vor allem Contra-Argumente. Dies ermöglicht es den Teilnehmenden, auch andere Standpunkte kennenzulernen und die Diskussion wird insbesondere dann spannender, wenn die meisten Teilnehmenden eigentlich einer Meinung sind. Natürlich kann man auch zwei einzelne Personen im Vorfeld der Diskussion bitten, einen kurzen Pro- und Contra-Input zu liefern.
  • “Six hats”. Es werden sechs Hüte (oder andere Gegenstände) verteilt. Jeder Hut steht für einen besonderen Zugang zu einem Thema. Es gibt je einen Hut für: Analytisches Denken, Emotionales Denken, Kritisches Denken, Optimistisches Denken, Kreatives Denken, Ordnendes Denken. In der Diskussion sollen die Teilnehmenden (natürlich können mehrere Teilnehmer ein und denselben Hut bekommen) vor allem den Blickwinkel “ihres Hutes” mit in die Diskussion einbringen. Diese Methode eignet sich vor allem für sehr homogene Gruppen, in der ein bestimmter Ansatz/Zugang zu einem Thema dominiert. Hier mehr Infos.

Ausstieg:

  • Abschlussrunde/Blitzlicht. Am Ende der Session werdet ihr wahrscheinlich nicht mehr viel Zeit haben. Plant daher bitte vorab genug Zeit für eine Abschlussrunde ein. So bekommen Teilnehmende, die selten das Wort ergreifen, eine Chance, ihre Meinung zu äußern. Außerdem erhält jede Teilnehmerin so die Möglichkeit, die Session zu reflektieren (und damit sie besser in Erinnerung zu behalten). Ihr könnte die Frage der Abschlussrunde sehr allgemein halten (“Was nimmst du mit von der Session?”), aber auch eine konkretere Frage stellen (z.B. “Was machst du als nächstes mit den Erkenntnissen der Session?”). Natürlich könnt ihr die Teilnehmenden auch bitten, ihren Eindruck die Veranstaltung in einem Wort zusammenzufassen.
  • Kontakte. Die Erfahrung zeigt: Die Dauer einer Session reicht oft nicht, um kontroverse Diskussionen oder gemeinsame Planungen zu Ende zu führen. Falls sich die Teilnehmenden deiner Session sehr interessiert an dem Thema zeigen, biete ihnen die Möglichkeit, sich zu vernetzen (z.B. indem du die Mail-Adressen sammelst und dann eine Nachricht an alle Teilnehmenden schickst).
  • Sonntag. Am Sonntag der Europawerkstatt wird es in diesem Jahr eine Projektwerkstatt geben. Das bedeutet: Falls in deiner Session Ideen für konkrete Projekte aufkommen, überlege mit der Gruppe, ob ihr diese Diskussion am Sonntag (evtl. mit anderen) fortsetzen wollt.
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